Instructional Design: Fünf Literaturtipps

Die Gestaltung einer motivierenden und effizienten Lernumgebung ist ein Ziel des sog. Instructional Designs. Sabrina Hall hat zu diesem Thema wissenschaftlich gearbeitet. Sie nennt euch in diesem Beitrag zitierwürdige Werke, mit denen sich die Grundlagen und vertiefende Aspekte zu diesem Thema gut erarbeiten lassen.


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Was antworten Sie jemandem, der Begriff „Instructional Design“ nur gehört hat, aber noch nicht kennt: Was ist Instructional Design?

Das Instructional Design, im deutschen auch Didaktisches Design genannt, bezeichnet die systematische Analyse, Planung, Durchführung und Evaluierung von Lernumgebungen. Es definiert pädagogisch-psychologische Grundprinzipien, derer es bei einer Konzeption von Lernumgebungen bedarf.

Robert M. Gagne gilt als Begründer des Instructional Design. Aus dem Ansatz des Instructional Design wurden viele Modelle abgeleitet, die zum einen auf die direkte Instruktion ausgerichtet sind und zum anderen ihren Fokus auf das selbstständige Lernen legen.

Sie haben unter anderem Ihre Master-Thesis in diesem Fachbereich verfasst. Gibt es etwas, was Sie von Anbeginn an dem Themengebiet interessiert hat?

Ziel meiner Master-Thesis war es, ein Konzept für ein virtuelles Lernprogramm zu erstellen. Die Entwicklung eines erfolgreichen Konzepts bedarf einem strukturellen Vorgehen, um alle relevanten Entscheidungen während der Entwicklung eines Konzepts zu berücksichtigen und zu treffen. Angesichts des Themenschwerpunkts des digitalen Lernens wurde ich schnell auf das Instructional Design aufmerksam.

Das Instructional Design ist spezifisch auf die Verknüpfung von Lernmaterialien mit dem Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien ausgerichtet. Die Struktur des Instructional Designs gewährleistet eine erfolgreiche Konzeption von Lernumgebungen, indem unterschiedliche Entscheidungsfelder zu berücksichtigen sind. Das Instructional Design war damit die optimale Lösung für die Konzeption eines erfolgreichen virtuellen Lernprogramms.

Sie haben als erstes Werk das Buch „Principles of Instructional Design“ von Gagne und seinen Koautoren empfohlen. Das Buch wird manchmal als „Pionierwerk“ auf diesem Gebiet bezeichnet. Wie ordnen Sie das Buch ein, warum empfehlen Sie es?

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Literaturempfehlung Nr. 1


Gagne et al.: Principles of Instructional Design

Mir war es zunächst wichtig die genauen Hintergründe und Ziele des Instructional Design in Erfahrung zu bringen. Daher habe mich an dem Begründer des Instructional Design, Robert Gagne und dessen Buch orientiert. Gleichzeitig wollte ich seine Grundprinzipien, die er mit dem Instructional Design verfolgt, kennen lernen und verstehen. In dem Buch „Principles of Instructional Design“ wird eine Grundlage für das Unterrichtsdesign geschaffen, die mit Kenntnissen aus der Psychologie und Informationsverarbeitung begründet werden. Das Unterrichtsdesigns baut auf neun Phasen auf, die sogenannten „Gagne’s 9 Events of Instruction“, die in dem Buch ausführlich erläutert werden.

Besonders gut hat mir die Betonung des sozialen und kulturellen Kontextes des Lernens gefallen, sowie die lernzentrierten Prinzipien und die Möglichkeiten neuer Technologien und Lernumgebungen. Das Buch spiegelt die Facetten des Lernens wider, sodass ich es jedem empfehlen kann, der an dem Thema Lernen bzw. Konzeption von Lernumgebungen interessiert ist.

Ein anderer Autor, den Sie gleich dreimal nennen, ist Helmut M. Niegemann. Warum sollten Studierende z.B. das „Kompendium multimediales Lernen“ verwenden?

Aus den Grundlagen des Instructional Designs wurden eine Vielzahl an Modellen entwickelt. Für mich war wichtig, das passende Modell für die Konzeption meines virtuellen Lernprogramms zu finden und anzuwenden. Im Hinblick darauf bin ich in mehreren wissenschaftlichen Büchern auf den Autor Niegemann gestoßen. Er entwickelte das sogenannte „DO ID Modell“, welches sich auf das Grundgerüst des Instructional Design stützt und als großes Abbild aller Instructional Design Modelle verstanden werden kann. Das DO ID Modell wird bei einer Vielzahl an entwickelten digitalen Lernumgebungen referenziert und angewendet. In dem Buch „Kompendium multimediales Lernen“ wird das DO ID Modell näher erläutert, sowie die Idee des Instructional Design beschrieben. Das Buch umfasst alle wesentlichen Bereiche, die für ein multimediales Lehren und Lernen unter Einsatz neuer Technologien benötigt werden: Grundlagen, Planung, Konzeption, Formate multimedialen Lernens, Inhaltsstrukturierung (didaktisch/kognitiv, deduktiv / induktiv…), Multimediadesign, Interaktionsdesign, Motivationsdesign, Qualitätssicherung, technische Umsetzung. In dem Buch werden dadurch alle relevanten Faktoren zum Thema multimediales Lernen berücksichtigt und ausführlich erläutert.

Digitalisierung ist „das“ Thema in der Weiterbildung. Sie geben zwei Literaturtipps in diese Richtung: „Digitalisierung in der Aus- und Weiterbildung“ und „Digitalisierung und Bildung“. Wofür haben Sie die Bücher in Ihrer wissenschaftlichen Abschlussarbeit genutzt?

Der Fokus meiner Master-Thesis lag in der Digitalisierung der Weiterbildung, sodass es für mich wichtig war, stets den aktuellen Wissens- und Kenntnisstand zu haben. Die Auswirkungen und Veränderungen, die die Digitalisierung im Bereich des Lernens auslösen, aber auch die neuesten Formate, Modelle und Technologien werden in beiden Büchern beschrieben und an praktischen Beispielen erläutert. Ziel meiner Arbeit war die Konzeption eines virtuellen Lernprogramms, wobei das Buch „Digitalisierung in der Aus- und Weiterbildung“ einen guten Ausblick über die Virtual und Augmented Reality in der Aus- und Weiterbildung gibt.

Was war für Sie der größte Input dieser Bücher für Ihre Arbeit?

Digitales Lernen schafft neue Möglichkeiten im Bildungsbereich, das aus den Büchern klar hervorgeht. Besonders die Chance Lernen unabhängig von räumlichen, zeitlichen und individuellen Gegebenheiten zu ermöglichen, kristallisiert sich in den jeweiligen Büchern als größter Mehrwert heraus. Zukünftig entwickelte Lernumgebungen habe zugleich den Anspruch den individuellen Anforderungen von Lerntypen nachzukommen, wodurch das Thema des multimedialen Lernens zunehmend in den Fokus meiner Arbeit gerückt ist.

Insgesamt geben die Bücher einen guten Überblick zum Thema digitales Lernen und veranschaulichen welche Potenziale in der Digitalisierung liegen, aber auch gleichzeitig welche Herausforderungen zu bewältigen sind.

Ihr letzter Buchtipp ist das „Handbuch Bildungstechnologien“ von Niegemann/Weinberger. Warum empfehlen Sie dieses Buch?

Es ist besonders wichtig in der Zeit des schnellen Wandels und der damit einhergehenden rasanten Weiterentwicklung im Bereich der Digitalisierung auf dem aktuellsten bildungswissenschaftlichen Forschungsstand im Kontext des digitalen Lernens zu bleiben und die neusten Erkenntnisse in Erfahrung zu bringen. Niegemann, der sich bereits in seinen zuletzt veröffentlichten Büchern mit dem Themenschwerpunkt der Digitalisierung im Bildungsbereich auseinandersetzt hat, veröffentlicht nun ein neues Buch, das einen Überblick über die Informations- und Kommunikationstechnologien gibt und neues Wissen zum Thema Lernen mit Bildungstechnologien generiert. Gleichzeitig widmet Niegemann in seinem Buch ein Kapitel zum Thema des Instructional Design, wobei er die Modelle zu digitalen Lernumgebungen theoretisch und empirisch begründet.

Die abschließende Frage stellen wir für diejenigen, die sich weiter in das Thema einfinden wollen: Gibt es einen „übergeordneten“ Fachbereich zum Instructional Design und zu welchen Synonymen können Studierende weitere Quellen recherchieren?

didakitsches Design, unterrichtsdesign, Bekanntesten ID Modelle: Ur-Modell, Anchored Instruction, Cognitive apprentiveship, goal-based scenarios, 4c/id Modell

Wir danken Ihnen für das Gespräch!

Literaturempfehlungen zum Instructional Design mit vollständigen bibiliographischen Angaben (wegen der Links handelt es sich um WERBUNG)

Über Sabrina Hall, M.A.

Sabrina Hall hat im Rahmen ihres berufsintegrierten Studiums an der Steinbeis Business Academy ihre Masterarbeit über die Digitalisierung und deren Auswirkungen im Lernbereich geschrieben und anhand einer Konzeption eines virtuellen Lernprogramms bei der Siemens AG in ihrer Thesis den Transfer zur Praxis hergestellt.
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